Das wahre Glück.
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Über den ersten Schritt

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Es ist jetzt 6:51 Uhr am Morgen. Ich sitze in meinem Büro hier im Haus am Berg und schreibe. Neben mir flackert eine Kerze und ich spüre tiefe Zufriedenheit… Vor einigen Jahren sah es um diese Zeit anders aus*. Ganz anders. Ich weiß noch, es war im Januar 2015 – da kaufte mein Mann mir ein Handy, legte es vor mir auf den Tisch & sagte: „Probier es doch aus. Nur die Nummern, die Dir guttun…“ Und mir schossen die Tränen in die Augen, weil mich die Vorstellung, mit anderen Menschen zu kommunizieren, komplett überforderte.  Schlichtweg Panik auslöste…

Weinen heilt

Und so verbrachte ich den gesamten Vormittag damit, zu weinen und das Handy auf dem Tisch anzustarren… Abends war ich dann soweit, die Nummer meiner Eltern einzuspeichern. MEINER ELTERN!! Im nachhinein bin ich ihnen so dankbar, dass sie dieses Feingefühl besaßen, zu warten. Und so machte ich mich ganz zaghaft auf den Weg & mit diesem Messengerdienst vertraut, auf dem man sich Bilder hin und herschicken konnte…

Ich weiß noch, dass meine Mama mir später einmal erzählte, wie glücklich sie war, auf diesem Weg wieder in Kontakt mit mir zu kommen… Und doch kostete mich jeder Griff zu diesem Handy unendlich viel Energie. Und so saß ich oft einfach da, starrte auf dieses Handy und fragte mich, was das nur alles werden soll, wenn ich es doch nicht einmal schaffte, mit einem Handy Menschen anzurufen… Wie in aller Welt sollte ich jemals meinen alten Job weitermachen?! Wie meiner Familie gerecht werden? Wie weiterleben?

Szenenwechsel

Es ist Mai 2015. Ich sitze wieder am Tisch und weine. Denn gerade habe ich meinen alten Job gehen lassen. Und ich bin so unendlich traurig darüber. Und frage mich, wer ich denn jetzt noch bin. Ich sehe mich nicht. Spüre mich nicht. Habe keine Idee mehr von mir… Das Alte ist unwiederbringlich vorbei. Etwas Neues nicht in Sicht. Und auch Menschen „von damals“ werden langsam still. Sie geben auf, sich immer weiter um mich zu bemühen – können nichts (mehr) mit mir anfangen. Und ich verstehe sie. Kann ich doch selbst nichts mit mir anfangen…

Wenige Tage später sitze ich am Strand. Auf Hawaii… Mein Mann hat mich zitterndes Bündel eingepackt und ist mit mir und dem Sohn abgehauen. Dabei habe ich Angst, aus meiner Wohnung zu gehen. Unter Menschen zu sein. Geschweige denn in ein Flugzeug zu steigen. Doch ich gehe los…

Ein neues Leben?

Und dann, dort auf Hawaii, tut sich mein Leben neu vor mir auf. Anders kann ich es nicht beschreiben. Ich sitze am Strand. Neben mir große Wasserschildkröten. Und ich, ich spüre mich auf einmal wieder. Spüre, wie die Energie zurückkommt, die Hoffnung, das Licht… Ja klar, Hawaii ist ein toller Ort und da geht es einem sicherlich gut – aber nicht jeder kann doch da einfach mal so hinfliegen… Oder doch? Ich glaube, diese Reise war mein erster Schritt hinein in MEIN Leben. Denn niemals hätte ich gedacht, einmal dort zu sein. Und niemals hätte ich gedacht, danach eine Ausbildung zur Achtsamkeitstrainerin zu machen. Und niemals hätte ich gedacht, wieder in mein Heimatdorf zurückzukeheren und dort ein Haus zu bauen. Und niemals hätte ich gedacht, eine Pension zu eröffnen

Der „erste“ Schritt

Daher war dieser erste Schritt, diese völlig verrückte Entscheidung damals, in meinem Zustand nach Hawaii zu fliegen, unglaublich wichtig. Zu sehen, dass ich das kann. Dass ich das darf. Und dass es am Ende meine Entscheidungen sind, die mein (Wohl)Befinden beeeinflussen… Und so flog ich mit neuer Energie nach Hause und machte mich nach meiner Rückkehr auf, auch all die schmerzhaften Etappen, die zu so einem Neuanfang dazugehören, anzugehen. Denn wie las ich vor wenigen Tagen so schön bei Ein guter Plan auf Instagram:

„Neuanfänge kommen oft verkleidet
als schmerzhaftes Ende.“ 
(Laotse)

Und auch in den Worten der wunderbaren Franzi Hardenberg konnte ich mich in den vergangenen Tagen so sehr wiederfinden… Sie hat mit ihrem Mann ein geliebtes Landhaus verkauft, welches die beiden mit viel Liebe selbst hergerichtet hatten, um sich mit ihrer Familie in ein neues Abenteuer zu stürzen – das vom Haus für jeden Tag… Und sie schrieb dazu auf Instagram:

„Manchmal muss man Liebgewonnenes loslassen,
um anzukommen.“

Was ich sagen will…

Was ich Dir mit diesem Beitrag sagen will? Wenn Du das Gefühl hast, Dein Leben steht an einem toten Punkt und Du kommst in bestimmten Bereichen weder vor noch zurück… Und Du spürst aber tief in Dir drin eine leise Richtung, die Dich ruft, Dir aber gleichzeitig auch Angst macht, weil sie sich so krass anders anfühlt… Hab den Mut loszugehen! Ich weiß noch genau, wie verrückt es sich damals anfühlte, das zu tun. Ohne die Sicherheit, dass es richtig ist. Ohne das Wissen darum, dass der Boden schon da sein wird, wenn ich den Fuß wieder aufsetze… Und wie unbeschreiblich am Ende das Gefühl, mit jedem dieser Schritte mehr bei mir anzukommen…

* Hier findest Du einen sehr persönlichen Beitrag zu meiner Depression.

7 Kommentare

  1. Hallo Anja,
    ein wirklich schöner Artikel.
    Der erste Schritt ist immer schwer. Aber wenn man ihn erstmal gemacht hat, dann schaut man rückblickend drauf zurück und man kommt sich manchmal ganz schon dumm vor, weil man zuerst so eine Angst hatte. Ist der Schritt aber erstmal gemacht, kann einen nichts mehr aufhalten und alles läuft auf einmal. So ist es bei mir jedenfalls. Es kostet zunächst Überwindung, doch dann freut man sich.
    Ich danke dir für deine schönen Worte. Ich werde nicht das letzte Mal vorbeigelassen haben 🙂

    • Anja sagt

      Liebe Laura,

      wie schön, dass Du Dich getraut hast… 😉 Ich wünsche Dir nun alles Liebe für Deinen Weg & freue mich, wenn Du wieder einmal vorbei schaust. Halt mich gern auf dem Laufenden!!!

      Wir lesen uns. Anja

  2. Anne katrin sagt

    Habe auch deinen rueckBlick und deine Lebenserfahrung gelesen. Mutig das zu veröffentlichen online. Ich hoffe, sehr das all dein jetziges glueck und die lehren der Vergangenheit dich in der Zukunft beschützen moegen. 🙏🍀❤️💜😘

    • Anja sagt

      Danke Dir… und ja, es braucht Mut, auch das anzusprechen, was in unserer Gesellschaft (noch) keinen Platz findet. Schwäche, Verletzlichkeit, Schmerz… Und DAS habe ich mir damals vorgenommen. Auch für all die, sie sich so allein fühlen mit ihren Ängsten & Sorgen. Wir sind viele… und es gibt einen Weg aus der Krise… 😉

      • Liebe anja❤️
        Ich hoffe, dass du gute Energien fuer dich, deine Familie und follower bündeln kannst.
        Ich selbst habe gelernt Krisen als challenge und Geschenk anzunehmen.
        Und fuehle mich resilient. 🍀💪
        Mein Freundes Umfeld geht sehr individuell damit um und fast in einen kokonzustand. Da habe ich mit meinen fast seherischen Fähigkeiten aufgegeben zu helfen.
        Zu individuell scheint diese Pandemie auf sie zu wirken.
        Die spirituellen Menschen auch aus der internationalen yoga Szene verbreiten ja die Meldung vom positivem kolkektivem energieschub.
        Glauben und hoffen bleibt also Fuer die Zukunft der kleinen und grossen Welt 🙏🍀💖

  3. Hallo Anja,
    irgendwann in den letzten Tagen habe ich deine Instagram-Seite und damit deinen Blog entdeckt. Ich habe – natürlich – schon auf einer Menge Blogs Artikel gelesen… Aber deiner ist tatsächlich der Erste, den ich mir als Favorit abgespeichert habe, in dem ich seit Tagen umherlese und gefühlt alles toll finde…
    Diesen neuen Beitrag finde ich so wahnsinnig ergreifend, Tränen kullern bei deinen Beschreibung… Gedanken zum eigenen Leben kreisen… Der Gedanke, nochmal neu anzufangen… Schön irgendwie. Seit längerem kämpfe ich mit mir, ob mir mein Job noch so gefällt. Aber einfach rumdrehen und gehen, kann ich zur Zeit noch nicht. Vielleicht, weil mir einfach die Idee oder Wunsch fehlt, wo die Reise hingehen soll.
    Dein Mann ist toll, wenn ich lese, wie er dich unterstützt hat, euer Leben für dich koordiniert und dir geholfen hat. Entscheidungen (auf geht’s nach Hawaii…) getroffen hat. Wahnsinn. So einen Menschen sollte jeder haben, der so wahnsinnig auf einen aufpasst.
    Ich freue mich über viele weitere Artikel und werde fleißig mitlesen.

    • Anja sagt

      Liebe Stefanie,

      ich danke Dir von Herzen für diesen lieben Kommentar… So liebe Worte!! Fühle Dich ganz sehr willkommen und mach es Dir gemütlich… und nimm Dir ruhig Zeit für die Dinge, die da in Dir arbeiten 😉 Wir müssen das manchmal erst wieder lernen. Geduld zu haben mit uns… Aber es lohnt sich…

      Wir lesen uns… 😉
      Anja

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