Der feine Unterschied.
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Kontrollverlust

Besitzt Du einen Jahresplaner? Und hast selbstverständlich einen Kalender auf dem Schreibtisch liegen? In der Handtasche? Auf dem Handy? Bist Du für Struktur, Organisation und Planbarkeit?

Ich auch. Und dennoch – in diesem Jahr habe ich mir zum allerersten Mal keinen Planer gekauft. Nur ein einfaches Notizheft hergenommen, das ich noch im Haus hatte. So eines mit leeren weißen Seiten. Und das Spannendste – ich hab mir das so gar nicht vorgenommen, sondern eher an mir beobachtet… Da war null Impuls für Tabellen mit Zahlen. Null Lust auf Pläne… Und als ich das so bewusst registrierte, kam mir die Idee zu diesem Beitrag. Einen Beitrag über unseren Umgang mit „den Dingen“ und die Frage, was Kontrollverlust mit uns macht…

Die Not aktuell scheint groß

Gerade in den letzten Tagen erreichen mich vermehrt Direkt-Nachrichten. Vor allem auf meinem Instagram-Kanal und über meine Facebook-Seite… Bedeutend mehr als sonst. Mit mehr Text als sonst. Und öfters traurig. Ratlos. Manchmal gar verzweifelt. Hintergrund ist meist die aktuelle Corona-Situation – besser gesagt, das, was diese ganz konkret mit uns macht… Und was mir auffällt: Das, was Euch so stresst, hat ganz oft mit „Kontrolle“ zu tun…

Nun ist es ja aber so, dass ich zwar ausgebildete Achtsamkeitstrainerin bin, dies mich aber nicht dazu befähigt, Menschen zu sagen, wie sie zu leben haben. Das steht mir einfach nicht zu… Was ich mir aber am Herzen liegt, ist Euch zuzuhören. Bewusstsein zu schaffen, Euch ein wenig auf Eurem Weg zu begleiten und von meinem zu erzählen…

Ordnung und Struktur bei mir? – Ein klares Jein

Und der ist gerade im Hinblick auf Ordnung und Struktur sehr spannend 😉 Denn einerseits bin ich vom Sternzeichen her Zwilling, ein Luftzeichen also, welches es so gar nicht mag, in vorgegebene Strukturen gepresst zu werden (ein Wunder, dass ich verheiratet bin ;-)) Andererseits bin ich BWLerin und mochte es immer schon, scheinbares Chaos zu ordnen und damit berechen- und bewertbar zu machen. Und so schaukelte ich viele Jahre zwischen diesen beiden Polen hin und her. Was aber das „Große Ganze“ betraff, so hatte ich ganz genaue Vorstellungen. Vor allem davon, wie andere mich sehen sollten… Man könnte fast sagen, es gab ein festgezurrtes, starres Bild von mir, das ich verinnerlicht hatte und genau das und NUR DAS durfte sein. Und kam es dazu, dass meine Realität von diesem Bild abwich, stresste mich das auf eine Art und Weise, die ich kaum beschreiben kann… Herzrasen, Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Angstattacken – es war unerträglich und wurde mit der Zeit immer schlimmer.

IST und SOLL

… und was soll ich sagen: Es kam der Tag, an dem IST und SOLL bei mir so weit auseinanderlagen, dass der Stress so groß wurde, dass mein Körper kapitulierte. Kontrollverlust. Aus. Ende. Vorbei. Doch nein, das wird jetzt keine traurige Geschichte – vielmehr möchte ich genau hier ansetzen, um Mut zu machen. Dir sagen, dass das passiert. Und zwar vielen von uns. Weil wir nun einmal oft so gestrickt sind, dass wir es uns selbst unsagbar schwer machen. Getrieben von dem Irrglauben,  dass unser Leben einem Plan zu folgen hat, den andere für uns festlegen. Die Familie, die Gesellschaft,… Wer auch immer. Und damit stecken wir in einem ständigen Spannungsfeld von „richtig“ und „falsch“ – und je nachdem, wie gut wir den Plan folgen, gehören wir dann eben dazu – oder auch nicht.

Der Schlüssel zum Glück

Und hier, genau hier (davon bin ich fest überzeugt), liegt der Schlüssel zum Glück! Wir alle wollen nämlich irgendwie irgendwo dazugehören – und daher geben wir uns Mühe. Optimieren, strukturieren, organisieren. Uns und unser Leben. Aaaaber: Egal, was wir tun, egal wie sehr wir uns anstrengen – niemlas, wirklich niemals werden wir allen gefallen. Niemals, wirklich niemals werden wir den Erwartungen anderer zu 100% entsprechen… Jetzt, in dieser herausfordernden Situation, erst recht nicht. Und doch kämpfen viele von uns nun noch verzeweifelter – und gefühlt gegen Windmühlen. Mit der Angst vor Kontrollverlust…

Mein Weg

… doch am Ende war es genau das, was mir einen neuen Blick auf das Leben eröffnet hat. Kontrollverlust. Ich musste erst die Kontrolle verlieren und durch diese Angst gehen, nicht (mehr) gut genug zu sein, um zu sehen, dass genau dahinter eine unglaubliche Freiheit wartet. Ich kann mich noch genau an dieses „KLICK“ in meinem Kopf erinnern (nach einer langen und anstrengenden Therapiesitzung)… Die Erkenntnis, dass ich die ganze Zeit meine Kraft und Energie darauf verwendet hatte, Dinge zu kontrollieren, die mir  „von Außen“ als richtig suggeriert wurden und nichts oder zumindest nicht viel mit meinem wahren ICH zu tun hatten (ich sag nur „IST“ und „SOLL“ ;-))… Doch was war es denn, was ICH wollte? Wie sahen sie denn aus, MEINE Werte? Und MEINE Ideen & Vorstellungen von einem gelingenden Leben? Diese Fragen für mich zu beantworten, dauerte… Brauchte Zeit & Training… Doch dieses Gefühl, wenn man das für sich geklärt hat und die eigenen Werte Kompass und Richtschnur im Leben werden – unbeschreiblich!! Warum? Weil Kontrolle dann keine Rolle mehr spielt. Und das bedeutet Freiheit… Echte Freiheit.

LIA | Lachen ist gesund

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