Der feine Unterschied.
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Wie geht es Dir?

Pferde im Nebel

Bestimmt schon seit drei Wochen schwebt mir dieser Blogbeitrag im Kopf herum… Und seit drei Wochen schreib ich ihn nicht. Hätte mich früher wahnsinnig gemacht. Immer und immer wieder hätte ich mich gefragt: „WARUM kommen die Worte nicht zusammen? Was is hier falsch?“…

Heute is das halt so. Bleibt die Tür zu Bloggerhausen eben noch eine Weile zu. Wird schon seine Gründe haben. Außerdem sind mir Statistiken, Zugriffsraten und diese ganzen anderen Kreativitätsräuber beim Bloggen eh ziemlich wurscht – solange ich weiß, dass es DICH da draußen gibt. Und dass DU auch nach einigen Wochen Blog-Pause hier bei LIA gerne wiederkommst…

Tja, und heute Morgen dann (obwohl mich mein Babylein im Bauch nachts mächtig getreten hat und Schlaf eher Mangelware war) – also heute Morgen schließlich hab ich gespürt: Jetzt will er raus! Der Beitrag zu der Frage:

Wie geht es Dir?

Anstoß zu diesem Text gaben eigentlich die Weihnachtstage und ganz vermehrt die Zeit Richtung Neujahr. Die Tage also, in denen ich mitverfolgen konnte und durfte, wie Menschen aus meiner „Internetblase“ sich Gedanken über das kommende Jahr machten… über Ziele, Pläne, Vorhaben, Freundschaften, Veränderungen, Loslassen,…wasauchimmer. Spannend war das. Weil sie regelrecht auf mich überschwappte. Diese Energie, wenn ich auf Facebook, Instagram oder in Blogs dazu las, was dieser „Neuanfang“ eines Jahres bei dem ein oder anderen freisetzte. Wie er ihn/sie dazu brachte, „plötzlich“ ganz offen und frei über Veränderungen nachzudenken beziehungsweise diese auch anzuschieben…

Und dennoch: Bei all der Power da im Netz, die mich ehrlich faszinierte, ploppte immer und immer wieder diese eine Frage an die jeweilige Person auf:

Du, wie geht es Dir?

Jaja, ich weiß… Die Frage is ausgeleiert, ausgelatscht und begegnet uns eigentlich jeden Tag. Oft in den banalsten Situationen. Beim Smalltalk im Supermarkt, in der Kita oder Schule, wenn wir die Kids abholen, im Büro, auf Veranstaltungen…Und unsere Antwort darauf ist ebenfalls oft banal.

Was ja auch wieder verständlich ist – schließlich möchten wir nicht jedem weitläufigen Bekannten unsere tiefsten Gefühle, Ängste und Sorgen mitteilen… Doch beim Lesen der vielen energiegeladenen Neujahresgedanken und -vorhaben von dem ein oder anderen beschlich mich immer öfter das Gefühl, dass er oder sie auch sich selbst wie einen dieser „weitläufigen Bekannten“ behandelte… Sich selbst mit banalen Antworten zum Hier und Jetzt abspeiste und stattdessen lieber mit einer rosigen Zukunft ab dem 1. Januar 2019 ablenkte. Eine mit weniger Gewicht vielleicht, mehr handyfreier Zeit und mehr Sport…

Alles liegt im Nebel

Doch sind diese Dinge, die wir da gern zum Jahreswechsel ändern wollen, nicht eigentlich „nur“ Symptome, die wir bekämpfen? Symptome, an deren Ursachen wir uns nicht wirklich ran trauen?

Ich sitze also da zwischen Weihnachten & Silvester, schaue mir das alles an, lese und denke und möchte immer noch jeden Einzelnen aus tiefstem Herzen fragen:

Wie geht es Dir?

… jetzt. In diesem Moment. Wenn Du ganz ehrlich in Dich hineinspührst und alles zulässt, was da hochkommt. Nicht nur das, was wünschenswert oder erstrebenswert wäre, sondern ALLES. Kann sein, dass es wehtut. Aber das is auch mal o.k. … Das ist auch Leben. Selbst wenn Dir Instagram und Co. erzählen, dass alle anderen da draußen dauerglücklich sind.

Ist da vielleicht Trauer? Unsicherheit? Wut?  Hilflosigkeit? Oder auch Angst? Und dann wieder Glücksgefühle? Neugier? Aufregung? Vermischt mit einer Art Aufbruchsstimmung?

Wow… was für eine Mischung! Deine Mischung! Dein JETZT.

Bähm!

Und nun? Traust Du Dich, vielleicht, noch ein wenig tiefer zu graben? Dich zu fragen, wodurch diese Gefühle ausgelöst werden? … durch Gedanken vielleicht? Welche denn? Möglicherweise die, nicht zu genügen? Besser sein zu müssen? Anders sein zu müssen? Aufregender? Organisierter? Fitter? Hübscher? Schneller? Gelassener?

Vielleicht hilft Dir ja auch diese kleine Geschichte aus meinem Leben: Es gab nämlich Zeiten, da war eine große Hilflosigkeit in mir, weil ich so sehr den Gedanken verinnerlicht hatte, nur dann wertvoll und anerkannt zu sein, wenn ich alles im Griff / alles unter Kontrolle hätte… Sagt einem der klare Menschenverstand: Geht nicht!

Und so lebte ich eigentlich permanent in einer Art „Scheinwelt“. Nach außen hin gaukelte ich vor, dass ich ziemlich gut gelaunt ALLES unter Kontrolle hätte, nach innen kämpfte ich 24 Stunden am Tag gegen etwas, was ich nicht ausmachen konnte. Zu sehr war ich getrennt von mir & meinen Gefühlen… Ich nahm lediglich wahr, dass „irgendetwas“ gewaltig nicht stimmte. Ganz so, als würde ich ein Leben leben, welches sich zwar nach außen ganz gut machte, aber so gar nichts mit mir zu tun hatte. Da war eine riesengroße Leere…

Also begann ich, nach und nach an allem in diesem Leben herumzuschrauben, um mich besser zu fühlen: Ich nahm ab. Doch die Leere blieb. Ich trennte mich von Menschen und Orten. Die Leere blieb. Ich veränderte mein Äußeres. Die Leere blieb. Schlimmer noch – ohne es zu merken, fütterte ich mit all dem, was ich tat, diese Hilflosigkeit tief in mir drin weiter. Klappte ja nix. Tja, und irgendwann fiel das ganze Kartenhaus in sich zusammen… 

Wie geht es Dir?

… frage ich daher nun auch Dich. Denn all die Ziele für ein glückliches und erfolgreiches Leben im neuen Jahr helfen doch nicht, wenn sie am eigentlichen Ziel vorbeigehen – nämlich DICH mit all Deinen Stärken und Schwächen, Gedanken und Gefühlen kennenzulernen. Anzunehmen. Mehr noch: Dich genau SO lieben zu lernen – um Dich dann bewusst Schritt für Schritt auf einen Weg zu machen, der DEINER ist. Gepflastert mit Deinen Wünschen, Werten und Bedürfnissen.

Auf ein wunderbares 2019!

Du bist wertvoll!

Deine Anja

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4 Kommentare

  1. Hab Dich gefunden, mich angesprochen gefühlt, gelächelt und wünsch Dir und dem kommenden Menschlein einen wundervollen, eigenen Weg !
    Eve aus Klein Gallien in Bayern

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