Das wahre Glück.
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Über Bedürfnisse & die Harmonie-Lüge

Gestern Abend hab ich noch spät eine Talkshow geschaut. Unter anderem sprach ein bekannter Politiker & Mediziner zur aktuellen Corona-Lage… Ich war geschockt. Nicht darüber, was er sagte, sondern wie er es sagte! 

Wie wir die Dinge sehen

Na Danke! Da saß ich nun und spürte, dass der Mann es echt geschafft hatte, mich (die eigentlich immer das Positive zuerst sieht) so richtig runterzuziehen… Und dabei will ich ihm gar nicht absprechen, dass er in der Sache recht hat. ABER: Die Art, wie wir Dinge kommunizieren, benennen und welchen Blickwinkel wir dabei einnehmen, ist eben auch wichtig. Und ich glaube, genau hier liegt einer der Punkte, der uns gerade so schafft…

Ich motiviere mir nämlich hier jeden Tag „einen Wolf“, um (vor allem bei den Kids) die Stimmung hoch zu halten, aber da draußen, da gibts gefühlt nur miese Stimmung, schlechte Nachrichten, Einsamkeit in Endlosschleife und Leute, die sich noch gegenseitig das Leben schwer machen! Ganz ehrlich – ich verstehe jeden, der gerade am Limit läuft und platt ist von diesem Kack-Virus und allem, was es uns beschert. Aber zur Wahrheit gehört eben auch, dass wir aufpassen müssen, nicht unterzugehen… 

Denn sind wir doch mal ehrlich: Wir stehen morgens auf und sind schon müde von einem Tag, der noch nicht einmal richtig begonnen hat. Und wir machen los und schlittern da so durch und hoffen, es möge irgendwie werden… Mit der Laune, dem Schwung, der Motivation und dieser Liebe für die kleinen Dinge, von denen immer alle reden. Und doch spüren wir diese stille Einsamkeit & die Trauer um unser altes Leben, die wie ein bleierner Schleier über all unserem Tun liegt. 

Bleib bei Dir

Ich sags Euch: Im ersten Lockdown war ich oft schon vormittags so durch mit allem! Weil ich es zugelassen habe. Weil ich mich hab allzu sehr mitreißen lassen von den Dingen „da draußen“… Die Stimmung der anderen zu meiner eigenen gemacht habe… Und als nun klar war, wir kriegen einen langen Corona-Winter mit wahrscheinlich harten Einschnitten, habe ich mich gegen Ende des letzten Jahres hingesetzt & gezielt darüber nachgedacht, was genau mir helfen könnte, gut durch diese Zeit zu kommen. Und am Ende waren da zwei Worte auf meinem Zettel übrig: Ruhe & Alleinsein. Und schon beim Lesen verspürte ich so ein wohltuendes Gefühl (und hätte es am liebsten meiner Katze nachgemacht und ein wenig geschnurrt ;-)) Ruhe & Alleinsein. Hab ich mir im ersten Lockdown zu wenig erlaubt… Weil der Tag gefühlt jeden Morgen auf mich zugerollt kam mit seiner Schwere und Perspektivlosigkeit und gefühlt nur Zeit blieb zum Reagieren. Agieren schien unmöglich… Diesmal wollte ich es gern anders machen. Ganz fest nahm ich mir vor, bei mir zu bleiben & meine Bedürfnisse ernst zu nehmen – denn mir war klar, dass ich ansonsten in echte Schwierigkeiten kommen könnte. Es wahrscheinlich nicht durchhalten würde. Vor allem mental. 

Mut zu kreativen Ideen 

Und so bin ich konkret geworden und habe überlegt, wie es hier in unserem Familienleben gehen könnte… Minimalziel (und ja – weit entfernt von meinem normalen Pensum): Jeden Tag zwei Stunden. Für mich. Allein. Um in Ruhe etwas zu arbeiten. Zu schreiben. Gedanken zu Ende zu denken. Nicht für andere verantwortlich zu sein. Zwei Stunden zu einer Zeit am Tag, in der ich Energie habe.. Und so wurde (m)eine neue Morgenroutine geboren… Die Idee dahinter: Wenn ich es schaffen könnte, morgens in Ruhe aufzustehen (meist so gegen halb sechs), meine Lieben zu küssen, mich fertig zu machen und mich dann für mindestens zwei Stunden zu verziehen, um mich um mich & mein Leben zu kümmern (und nicht ständig nur um das von anderen), wäre das unter den gegebenen Umständen tatsächlich schon ne Menge & ein Energiebooster für den ganzen Tag. Und auch etwas, worauf ich mich in schwierigen Momenten freuen könnte. Eine Aussicht. Eine Perspektive. Die Gewissheit, dass ich ganz sicher auch wieder dran bin… Und ja, Arbeit fällt für mich definitiv da mit rein – denn gerade, weil meine kleine Pension nun schon zum zweiten Mal in ihrer kurzen Geschichte volles Brett dicht gemacht wurde und ich schmerzhaft hohe Ausfälle & Stornierungen zu veratmen habe, brauche ich das Gefühl, die Dinge zumindest weiter vorzubereiten. Dranzubleiben. Ideen zu spinnen… Für die Zeit danach.

Harmonie passiert nicht

Nachdem das alles nun für mich geklärt war, kam der nächste Schritt: Kommunikation innerhalb der Familie. Wenn ich nämlich in einem System, welches ich eigentlich ohne Ende liebe, beginne zu leiden, sollte ich klar benennen können, warum. Und auch, was ich brauche. Zuallererst mir gegenüber & dann gegenüber meinem Partner. Um ihm eine Chance zu geben, aktiv mit dafür zu sorgen, dass es allen gutgeht. Allzu oft erwarten wir nämlich, dass „die anderen“ doch sehen müssen, was wir alles leisten, was uns fehlt und was wir brauchen. Nein! Tun sie nicht! Wir sind in der Verantwortung! Und glaubt mir: Hier will keiner eine Anja, die müde ist. Und traurig. Die 24/7 unter „Dauerbeschuss“ steht mit Homeschooling, Homebespaßung, Homecooking, Homeoffice und Homewasweißich, sich nicht gesehen fühlt und deshalb unzufrieden und grantig ihre Familie anranzt 😉  Und es klappt bisher echt gut: Der Mann nimmt ab Aufwachen die Kids. Ich kriege von ihm und der Kleinen einen Aufwach-Kaffee gekocht, gehe nach dem ersten Schluck in Ruhe duschen & verzieh mich dann in mein Zimmer. Zum Arbeiten. Schreiben. Manchmal auch ganz bewusst zum Durchatmen. Und wenn ich wieder rauskomme, waren die anderen drei (manchmal auch nur zwei, weil der Sohn gern noch ne Runde weiterschläft) beim Bäcker und sitzen am Frühstückstisch, wo ich dann einfach dazukomme. Und nachdem wir kurz gesprochen haben, ist Staffelübergabe & ich übernehme die Kids, damit der Mann in sein Büro gehen und Fulltime- Homeoffice machen kann… Für uns passt das so, auch wenn ich immernoch manchmal mit den Zähnen knirsche. Das Ego 😉 Doch meine Selbständigkeit liegt aktuell einfach mal auf Eis. Ich darf nicht öffnen. Also macht das alles so für UNS Sinn…   

Harmonie braucht Klarheit & Mut

Boah, werden jetzt vielleicht einige von Euch denken… Krass, was die für Möglichkeiten haben. Und ja, das stimmt. Wir als Familie leben mittlerweile recht frei und selbstbestimmt. Doch der Weg dahin, der war lang. Denn es war meine Erkrankung damals, die uns dazu zwang, ganz genau hinzuschauen. Uns als Familie an erste Stelle zu stellen und dieses Konstrukt zu schützen. Dafür zu sorgen, dass wir dauerhaft gesund bleiben, dabei die Bedürfnisse aller im Blick behalten und auch unsere Vorstellung von Ehe, Beziehung, Partnerschaft leben können. Das wirkt nach außen heute ganz oft sehr harmonisch und leicht, doch damit verbunden waren knallharte Entscheidungen. Und Veränderungen auf allen Ebenen: Jobwechsel beim Mann, ein harter Cut in Sachen Beruf für mich verbunden mit dem Risiko (auch finanziell) eines Neuanfangs mit Ausbildung und Pensionserföffnung, ein Umzug aufs Land, ein Hausbau… Was ich damit sagen will: Es liegt in unserer Verantwortung, die Dinge zu gestalten und uns – egal wie scheiße es manchmal läuft – nicht davon überrollen zu lassen… Das ist ganz oft furchtbar anstrengend (gerade am Anfang), weil es uns volle Kanne aus unserer Komfortzone schießt… und es erfordert Mut – ist aber in meinen Augen die einzige Chance, das Leben mit all seinen Unwägbarkeiten tatsächlich zu unserer Zeit zu machen.

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