Der feine Unterschied.
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Und wo bleibe ich?

Und wo bleibe ich?

Dieser Beitrag ist euch, meinen Lesern, zu verdanken. Weil ihr nicht „nur“ lest, sondern da seid. Mit mir seid. Fragt. Mir euer Vertrauen schenkt. Und ich finde es so unfassbar schön, was hier möglich geworden ist. Auf diesem kleinen Flecken Internet.

Liebe Leserin,

gerade habe ich deine Mail gelesen. Und auch du stellst mir diese Frage, wie das denn gehen soll, mit der „Zeit für sich“… Mit dem „für sich sorgen“… Und du fragst, wie man denn in einen Tag, der gefühlt eh schon 48 Stunden hat, noch solche Zeitinseln für sich einbauen soll. Inseln, wo man dann auch WIRKLICH runterkommt. Und wie ich das denn mache, gerade auch mit der Familie… und ob das nicht recht egoistisch ist…

Und schon beim Lesen der ersten Sätze spüre ich deine Not, deine Verzweiflung. Auch Ungeduld in den Worten… Und du schreibst: „[…] ja, so viele sprechen davon, wie wichtig es ist, Zeit für sich zu haben. Doch wie soll es gehen? Wie bitte ist der Weg? Niemand sagt, wie es geht! […]“

Sei nicht so streng mit dir.

Du bist doch schon auf dem Weg. Du liest hier. Du machst dir Gedanken über dich, deine Situation… Du folgst diesem Gefühl, das dir sagt, dass da etwas nicht stimmt,… Und genau da geht’s entlang. Immer den Bedürfnissen nach…

Frage dich, was du brauchst. Was dein Gesicht zum Strahlen bringt & dein Herz hüpfen lässt. Wobei du Kraft tankst…

Und dann mache es.

Ich gebe zu, das klingt einfach. It`s simple, but not easy…

Wie ich das mache? Nun, vielleicht dieses Beispiel dazu…

Ich wohne mit Mann und Sohn rund 300 km entfernt von meinen Eltern. Und ich liebe meine Eltern. Sehr. Manchmal vermisse ich sie auch ganz arg… Und wenn sie uns besuchen kommen, dann ist das für mich IMMER „Akku aufladen“. Früher jedoch schossen mir zeitgleich mit der Ankündigung meiner Eltern, dass sie kommen, folgende Dinge durch den Kopf (kein Anspruch auf Vollständigkeit ;-)):

  1. Ich muss aufräumen. Überall. Perfekt.
  2. Ich muss einkaufen. Alles, was alle gern mögen.
  3. Ich muss Kuchen backen.
  4. Und ein ausgefallenes Rezept kochen…
  5. Ich muss dafür sorgen, dass es allen gut geht.
  6. Vielleicht noch Blumen hinstellen.
  7. Und mir was Schönes überlegen, was wir am Wochenende machen.

In dem Moment also, in dem meine Eltern anriefen, um mir eine Freude zu machen, mir mitzuteilen, dass sie kommen, sprang mein Kopfkino an… Und ich geriet in Stress!

Das ist jetzt nicht mehr so… 

Wenn meine Eltern am Wochenende kommen, ist es ganz oft nicht (perfekt) aufgeräumt, gehen wir ganz oft gemeinsam noch etwas einkaufen, gibt es meist Kuchen vom Bäcker und/oder wir gehen zusammen essen… Weil ich samstags vielleicht von 10 bis 13 Uhr einen Yoga-Kurs besuche. Oder sonntags einen Lauf mitmache. Oder selbst einen Impulstag „Achtsamkeit“ am Wochenende durchführe. Oder oder oder…

Was ich damit sagen will: Wir alle haben Ideen und Vorstellungen davon, wie Leben sein soll. Was man macht. Was man nicht macht. Und wir geben oft unser Bestes, diesen Ideen und Vorstellungen zu entsprechen / ihnen gerecht zu werden / sie in unseren 24-Stunden-Tag zu pressen… Doch sind das wirklich unsere? Und was passiert, wenn wir einige davon einfach loslassen?

Braucht dein Tag wirklich gefühlt 48 Stunden? Oder denkst  du das nur? Weil da so viele Dinge durch deinen Kopf rattern, die „man“ eben machen muss?!

Warum gibst du diesen Gedanken solche Macht über dich & dein Leben?

Sei mutig, lass die Gedanken Gedanken sein und NIMM Dir die ZEIT, die du brauchst. Folge deinen Bedürnissen. Damit tust du nicht nur dir etwas Gutes, sondern vor allem auch all den Menschen, die du liebst…

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4 Kommentare

  1. Vor längerer Zeit – 2014 – fragte mich meine damalige Kollegin bei einem Meeting in Halle etwas ähnliches. Wie machst du das nur, Uta? Wie bekommst du das alles hin? Arbeit, Familie und die vielen anderen Dinge… Ich konnte die Frage nicht so recht beantworten. Sah … leider … auch nicht, wie ihr das zu schaffen machte, was da wohl für eine “Wand“ auf sie zu rollte… Wahrscheinlich hatte ich irgendwie schon immer meinen eigenen Kopf, tat intuitiv was gut für mich war/ist. Mir war nur klar, dass es wichtig ist, bei den Menschen die man liebt, die man tagtäglich um sich hat, den notwendigen Rückhalt zu haben. Natürlich läuft auch mal was quer, bin ich von irgendwas oder irgendwem genervt, hätte ich dies oder jenes gerade jetzt gern noch gemacht/geschafft, aber untergegangen ist die Welt deswegen nicht. Auch bin ich ein sehr rationaler, organisierter Mensch, plane im Voraus, aber Staub wischen tue ich deswegen nicht jede Woche (auf hellem Möbel sieht man den eh nicht so schnell), bügeln – nur wenn es sein muss, lieber die Wäsche so aufhängen, dass sie möglichst wenig knittert… Die Papierstapel im Ablageschrank stapeln sich mal wieder und der Mann regt sich vielleicht auf, dass er deswegen was nicht findet. Hm, blöd, aber ich habe vielleicht gerade keine Lust auf Ablage und irgendwann rappelt es mich dann und ich sortiere und beräume den Stapel. Laufen macht den Kopf frei und tut mir gut. Manchmal kommt dabei schon auch der Gedanke auf, ob es nicht egoistisch ist, dreimal die Woche laufen zu gehen. Aber ich habe ja ein Ziel, Halbmarathon, dafür muss schon trainiert werden… Der Mann macht das für den Triathlon auch. Der Sohn spielt Fußball. Puh… So viele Dinge, doch so lange jeder gibt und nimmt, lässt sich das alles hinbekommen. Was ich damit sagen will, es gibt nicht DEN einen Weg und was bei mir funktioniert, kann woanders ggf. gar nicht passen. Jeder hat ein anderes Wesen, andere Prioritäten. Von daher kann man einfach nur in sich hinein hören, was gut tut, manchmal die Dinge einfach laufen, aber sich auch nicht verbiegen. Alles hat seinen Sinn und ist für irgendwas gut, auch wenn man das in dem Moment vielleicht nicht gleich sieht… Von daher freue ich mich, dass meine ehemalige Kollegin nach einem Weg durch ein tiefes Tal, nun ihren eigenen Weg gefunden hat…

    • Anja

      Liebe Uta,

      wie recht Du doch hast… was bei dem einen funktioniert, muss noch lange nicht auf den anderen passen… Deine Kollegin hatte ganz schön Glück, dass Du ihr damals nicht eine 0815-ich-erzähl-dir-mal-wie-es-läuft-Antwort gegeben hast 😉 … scheint was dran zu sein, an der Sache, dass Du intuitiv oft das Richtige tust. Ich drück Dir jedenfalls für alles feste die Daumen!!

  2. Jana sagt

    So ist es! Kein Mensch verlangt, dass die Wohnung aufgeräumt ist, dass was total abgedrehtes auf dem Tisch landet, dass die Wohnung hübsch dekoriert und man selbst immer zurecht gemacht ist – und wenn doch, dann sind es die falschen Menschen und die kann man gerne aus seinem Leben streichen. Das meiste passiert im Kopf und wird noch verstärkt durch social media Kanäle, in denen wunderschöne Menschen ein wunderschönes Leben vorgaukeln und man glauben MUSS, dass, wenn die das können, man selbst das auch hinkriegt und schon beginnt der Run auf hippe Klamotten, ach Termin beim Friseur auch noch, Westwings-Bestellungen häufen sich im Flur, weil man sein Wohnzimmer trendy dekorieren will… Mein ganz konkreter Tipp daher für die angesprochene Leserin: Halte dich von Blogs, Instagramm, Facebook weitestgehend fern und abonniere nur das, was dir wirklich Freude bereitet und dir weiterhilft ohne dich unter Druck zu setzen (so wie Anjas Blog hoffentlich)… Und: trenne dich von Menschen, die dir nicht gut tun oder Erwartungen in dir aufbauen, die du nicht erfüllen willst/kannst. Wenn das Familienmitglieder sind, dann auch die. NIEMAND zwingt dich dazu, auf Geburtstage von Menschen zu gehen, die du nicht leiden kannst! Ich denke, wenn man Dinge seines Alltags priorisiert und überdenkt, merkt man schnell, wie unnütz vieles davon ist… Also mehr sich selbst reflektieren und weniger Einfluss von Außen – dann kann man auch mal einen Sonntag nachmittag auf dem Sofa rumgammeln und mit dem Mann kuscheln während sich in der Küche die schmutzigen Teller stapeln 🙂

    • Anja
      Anja sagt

      Was für ein Statement <3 Wunderbar geschrieben... und nun viel Spaß noch beim Kuscheln*knutsch*

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