Der feine Unterschied.
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Lebst Du schon oder erfüllst Du noch Erwartungen?

Erfüllst du noch Erwartungen oder lebst du schon?

Seit gefühlten Stunden werkle ich in meiner Küche herum. Ohne erkennbaren Grund – und was noch viel schlimmer ist: ohne erkennbare Fortschritte. Ich stelle Ding A nach B, dann Ding C nach D undsoweiterundsofort…

Und überhaupt, immer diese Aufkleber auf dem Obst…

Ist nicht wahr!!! Ich pule tatsächlich Aufkleber vom Obst?!?!?! Hab ich nix anderes zu tun??????????? Oh doch. Hab ich. Da wären Artikel zu schreiben, ein Kursabend vorzubereiten, E-Mails zu beantworten… Aber ich kann nicht. Ich bin blockiert. Und die innere Stimme streckt mir trotzig die Zunge raus: „Bäh!“

Ich setze mich auf meine Bank im Wohnzimmer und nehme ein paar tiefe Atemzüge… Was ist da los? Warum bin ich so widerwillig? Ich liebe doch, was ich tue?!

Auch Minuten später mault die innere Stimme noch immer leise vor sich hin: „Bäh! Nein! Nein!! Und Nein!!!“ Doch ich bleibe geduldig. Ich bleibe dran. Schließe die Augen… Spüre Verspannungen im Nackenbereich, Kopfschmerzen… Und ein Strom von Gedanken ist da… Doch das Sitzen tut (trotz allem) gut… Der Kontakt mit mir tut gut…

Später an diesem Tag werde ich verstehen, dass genau dieser „Kontakt zu mir selbst“ es war, den ich mit meiner Rumräumerei in der Küche versucht hatte, zu umgehen. Denn im Kontakt mit mir komme ich oft an meine Geschichten. An die Geschichten hinter dem Offensichtlichen, hinter der Ablenkerei im Außen…Und das ist nicht immer angenehm…

Erwartungen sind auch nur Gedanken

„Glaube nicht alles, was Du denkst.“ Dieser Spruch steht über meinem Schreibtisch… Und als ich da endlich wieder dransitze, ist mir klar, dass es die Erwartungen von Auftraggeber xy sind, mit denen ich da hadere… Dass es Erwartungen im Allgemeinen sind, mit denen ich da hadere. Mal wieder.

Früher drehte sich mein Leben oft und viel um Erwartungen: „Bitte nett sein, bitte unkompliziert sein, bitte da zum Geburtstag anrufen, bitte hier ne Urlaubskarte hin schreiben. Bitte die anderen zufrieden stellen, bitte nicht zu viel NEIN, bitte 120% Leistung in der Hälfte der Zeit, bitte cool sein, bitte Super-Mutter sein, bitte Frau auf Augenhöhe sein, bitte unabhängig sein, … UND BITTE KEINE ANGESTRENGTE MIENE, ALLES SCHÖN LOCKER LEICHT AUS DER HÜFTE, OHNE ZUR ZICKE ZU MUTIEREN…“

Genau solches oder so ähnliches Zeug habe ich gehört, kam bei mir an – ganz egal, was das Umfeld, meine Umgebung tatsächlich sagte! Klar, es gab auch viel Gerede von Außen, doch dazu kam dann noch, dass ICH nur das hörte, was ich hören wollte – oder vielmehr, was mein Kopf mir erzählte… ERWARTUNGEN. Immer. Überall. Ständig.

Komische Sache? Möglicherweise hast Du recht…

Denn am Ende war es so sehr komische Sache, dass ich über dieses (teilweise selbst auferlegte) Erwartungserfüllungsmüssensdings mich selbst nicht mehr hörte. Komplett keine Ahnung mehr hatte, was mit mir eigentlich war?! Gäbe es Erwartungserfüllungsmaschinen, ich wäre bestimmt eine gewesen…

Es hat Wochen und Monate gedauert, bis ich kapiert habe, dass da was nicht stimmt. Und dann nochmal Wochen und Monate, bis ich den Kontakt zu mir gefunden habe. Und bis ich angefangen habe, mich mit mir und meinen Bedürfnissen zu beschäftigen, … Und heute?

Höre ich ENDLICH hin. Frage nach. Spüre rein. Und ich bekomme Antworten. Auch und vor allem auf die Fragen, die mich weg von diesem ganzen „Erwartungsmüll“ bringen – hin zu dem, was mich auf Dauer gesund und mit Lust aufs Leben morgens aufstehen lässt:

Was macht mich aus? Was sind die Werte, für die ich stehe? Was kann ich gut? Was tut mir gut?

Gerade habe ich den Artikel für Auftraggeber xy geschrieben. Mit Freude. Mit Leidenschaft. Auf meine Art. Und ich habe auf „Senden“ gedrückt. Wer weiß? Vielleicht passen seine Erwartungen und ich ja ganz gut zusammen 😉

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7 Kommentare

  1. Pingback: Monatsreview: August

  2. Liebe Anja,

    vielen Dank für deinen Artikel. du sprichst mir aus der Seele. Das größte Problem ist es ja, wenn wir anfangen, die Erwartungen anderer, die jahrelang an uns herangetregen worden als unsere eigenen zu missverstehen und unseren Tunnelblick immer weiter einengen. Da helfen nur Phasen von echtem Egoismus, um sich wieder auf einem gesunden Level einzupendeln.

    • Anja
      Anja sagt

      Liebe Laura,

      ich dank Dir für Deine lieben Worte… und ja, wenn man sich selbst nicht spürt, dann lebt man vielleicht irgendwann tatsächlich das Leben der anderen… Doch Egoismus finde ich zu selbstbezogen… denn das kann auch auf Kosten anderer gehen… Mein Handeln in Übereinstimmung mit meinen Werten bringen – ohne anderen zu schaden…Das ist es, was ich versuche … Was meinst Du? Passt das auch für Dich?

  3. Danke liebe Anja, der Text ist so wundervoll geschrieben und beschreibt meinen heutigen Gemütszustand… Ich bin genervt, erschöpft , frustriert obwohl es mir doch eigentlich Spaß macht und ich liebe was ich tue aber Kunden und ich schwimmen gerade nicht auf einer. Wellenlinie, das stimmt mich so.

    Jedenfalls hat mir dein Text gut in die Nacht geholfen.

    Drücker
    Sarah

    • Anja
      Anja sagt

      Liebe Sarah,
      ach wie schön, … Wie Du das geschrieben hast … Und noch eine kleine Anmerkung: Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Du einfach gut bist, in dem, was Du machst 😉

      Von Herzen.
      Anja

  4. Du bist gemein Anja.
    Irgendwie hab ich gerade das Gefühl, Du sprichst mit mir 👀.
    Liebste Grüße
    Suse

    • Anja
      Anja sagt

      Liebe Suse, ich freu mich sehr, dass Du Dich angesprochen fühlst von dem Beitrag… und ich schicke eine FETTE Umarmung…

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