Der feine Unterschied.
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Lass dir deine Wut nicht gefallen

Wut

Neulich hatte ich einen Termin. Bei einer Behörde. Dies zu erwähnen macht Sinn – ich werde noch darauf zurückkommen. Ich stellte mir also am Abend vorher einen Wecker (nur für alle Fälle, eigentlich ist der Sohn ja eh schon immer sehr früh… ach lassen wir das). Ich legte meine Unterlagen zurecht, ebenso etwas „anständiges“ an Garderobe.

Und dann kam der Tag. Mit dem Termin. In der Behörde. Ich war frisch geduscht, hatte alle geforderten Unterlagen dabei und lief pünktlich dort ein… und musste ins Wartezimmer. Dort saßen gefühlte 158 Menschen. Ich versuchte es mit einem Lächeln in die Runde. Nix. Keine Reaktion. Also setzte ich mich brav dazu. Mit meiner Nummer in der Hand. Und wartete.

Irgendwann passierte es dann. Ein Mann, der recht eng an mir dran saß, begann mit seinem rechten Bein zu wippen. Vielleicht aus Ungeduld. Vielleicht auch aus Langeweile. Ich weiß es nicht. Was ich allerdings weiß, ist, dass mir DIESES Wippen nicht egal war…

Ja, bereits bei der Vorstellung, auf eine Behörde zu müssen, hatte ich mich recht ordentlich verspannt. Auch meine alten Muster, bis in den Perfektionismus rein, waren zur Feier dieses Termins mal wieder zu Besuch gekommen… Aber gut. Passiert. Ich übe.

Als ich am Termintag selbst dann in dieses proppevolle Wartezimmer mit diesen vielen Menschen eintrat, fühlte ich mich ebenfalls nicht gut. Eher nach *schleunigstumdrehenunddieKurvekratzen*. Doch ich sagte mir: „Nicht schlimm Anja, viele Menschen auf einem Haufen sind halt nich deins“. Und versuchte es mit einem Lächeln in die Runde. Als da so gar nix zurückkam von diesen vielen Menschen, war ich zwar ein wenig traurig – aber naja, kann man verstehen. Jeder hat so seine eigenen Sachen im Kopf. Aber als dieser Mann, der da fast an mir dran klebte in diesem miefigen Behördenzimmer, mit seinem rechten Bein zu wippen anfing, da wurde es wirklich wirklich eng… Ich konnte regelrecht das Ansteigen meiner Körpertemperatur spüren! Uha, da rollte etwas heran. Und es wollte raus! Jetzt! Ohne Diskussion!

„Hallo Autopilot! Na? Du versuchst es aber auch immer wieder, mir in die Suppe zu spucken, was? So verstehe doch, ICH bestimme, welche Emotionen wann stattfinden. ICH bestimme, ob ich etwas gut finde oder nicht. Ob mich etwas stört oder nicht. Ob ich mich aufrege oder nicht. ICH! O.K.??“ 

Ich legte meine Hand auf den Bauch, diese Region, in der es grummelte und grollte… Spürte nach, wie sich die Bauchdecke im Rhythmus meines Atems hob und senkte und schaffte es so nach und nach Abstand zu dieser Wut zu bekommen… Und als genügend „Raum“ zwischen ihr und diesem wippenden Mann war, probierte ich es erneut mit einem Lächeln. Und brachte ihn damit völlig raus, aus seinem Wippen… Mehr noch, er lächelte zurück…

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2 Kommentare

  1. Anja, ich kann die Szene förmlich vor mir sehen und mich in Dich reinversetzen! 🙂
    Und manchmal, da gelingt mir so etwas auch…manchmal…nicht immer…aber manchmal…

    Sehr schön beschrieben, vielen Dank!
    Kristina

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