Der feine Unterschied.
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Leben lernen

leben lernen

Ich stricke. Und ich stricke sogar Sachen FERTIG! Doch der Knaller ist: Es fühlt sich gut an. Noch vor einem Jahr undenkbar…

Vor einem Jahr… da saß ich nicht ganz freiwillig bei einem Arzt und der fragte mich, was meine Hobbys seien. Ts, Hobbys, für sowas hab ich keine Zeit. Ich bin beschäftigt. Und ich bin berufstätige Mutter. Herr Doktor, ich bin froh, wenn ich ein paar Stunden zum Schlafen komme. Hobbys. Witzig.

Leben – das bedeutete für mich zu dieser Zeit, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Allen zu gefallen, zu zeigen, was ich alles schaffen kann. Nicht zu jammern, nicht zu motzen – muss halt gemacht werden. Ist eben so. Schaff ich schon. Seid ihr glücklich, bin ich das auch. Und immer schön lächeln.

Und dann machte es PENG! Aber ordentlich … und dann stand ich vor der größten Herausforderung überhaupt: Begreifen. Verstehen. Lernen. Für mich, nicht für andere. Tag für Tag, Woche für Woche. Endlich verstehen, dass Funktionieren nichts mit Leben zu tun hat. Diese Einsicht zu gewinnen, dass nicht das Gestern und nicht das Morgen wichtig sind, sondern einzig und allein der Moment. Und ich geb zu, das ist ein wahrer Kraftakt – und die Gesellschaft macht es einem auch nicht gerade leicht.

Heute bedeutet Leben für mich, im Moment zu sein, meine Kräfte zu kennen und mich zu achten. Achtsam mit mir umzugehen. Mich nicht zu vergleichen, sondern meinen eigenen Weg zu finden. Ob diese Einstellung in unsere Zeit passt? Das ist mir egal. Und so frage ich heute nicht mehr danach, was ich tun kann, damit die anderen mich gut finden, sondern schaue auf mich… Dabei erlebe ich Unverständnis, manchmal ziemlich heftig. Und dann habe ich das Gefühl, ich passe nicht mehr in diese Zeit. Und das ist in Ordnung für mich. Rückschläge auch. Ich will nicht mehr perfekt sein. Ich will leben, einfach nur leben. Damit tue ich mir Gutes. Und meiner Familie und meinen Freunden auch. Allein das zählt.

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4 Kommentare

  1. Carolin sagt

    Bei diesem Artikel musste ich sofort an die folgenden Worte denken. Ich weiß nicht warum, aber sie haben sich bei mir eingebrannt und ich habe sie gleich rausgesucht:

    „In einer Zeit, in der man irgendwie nie Zeit hat, habt ihr Euch Zeit genommen für wunderbare Dinge…“

    Es ist so schön, dass du dir anderthalb Jahr später auch Zeit für wunderbare Dinge nimmst.

    • Anja
      Anja sagt

      Was soll ich sagen… ich bin sehr glücklich, Dich hier zu lesen. Danke für Deine Zeilen.

  2. Oh, ich habe früher sehr gerne gestrickt und mach es momentan nicht, aber dafür kann ich mein Hobby leben: Taijiquan und Qi Gong. Und damit ist auch eine gewisse Achtsamkeit und Langsamkeit in meinem Leben.

    Du schreibst: „Ob diese Einstellung in unsere Zeit passt?“

    Ich habe auch das Gefühl, dass das nicht in unsere Zeit passt, aber ich bin davon überzeugt dass unsere Zeit das umso mehr braucht! Ich weiß auf jeden Fall, dass ich brauche, auch wenn es den anderen nicht passt.

    Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich zu meinen Kinden sage „weil das alle so machen“ und dann beiß ich mir auf die Zunge. Denn ich will nicht automatisch machen was alle machen sondern überlegen, was zu mir bzw. zu meinem Kind passt. Etwas zu tun, weil es für mich wichtig ist. Und das möchte ich auch meinen Kindern vermitteln, dass sie ihren eigenen Weg gehen.

    Ich sehe es wie Du: ich will leben. Ich will JETZT leben!

    • Anja

      Hallo Angelika,

      „…, aber dafür kann ich mein Hobby leben…“ – genau das ist es. Jeder Mensch hat Gaben, Talente, Bestimmungen. Und wenn man dann noch den Mut findet, sie zu leben, dann passt man nicht wirklich in unsere Zeit (Stichwort: Anpassung). Und?

      Ich finde es spannend, was Du so machst und denke, ich werd jetzt öfter mal bei Dir vorbeischauen… Viel Erfolg mit Deiner Arbeit… ähm, Deinem Hobby. Deiner Leidenschaft 🙂

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